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Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ja in den letzten Jahren recht viel diskutiert worden. Eigentlich ist es ja nicht unbedingt das Naheliegendste,dass ein Webdesigner in seinem Designblog über das Bedingungslose Grundeinkommen schreibt. Aber was solls. Mir ist beim BGE vieles so gar nicht klar. also schreib ich einen Artikel. Vielleicht kann mir ja jemand meine Zweifel per Kommentar ausräumen.

OK, erst mal die Basics: das BGE, jeder kriegt was, keiner hungert, keiner friert. SUPER Erstmal, sage ich einfach so aus der Hüfte geschossen. Das Grundkonzept des BGE, dass niemand mehr extremer Armut ausgesetzt ist – egal ob arbeitend oder nicht – ist eine tolle Sache, das muss man schon sagen. Warum soll denn jemand frieren oder hungern? Ich bin kein Unmensch, ich will das nicht. Am liebsten wäre mir ohnehin, dass es den Menschen besser geht. Und: Eines muss man ganz klar hervorheben: Wir sind – gesellschaftspolitisch betrachtet – mit ziemlicher Hochgeschwindigkeit in Richtung 19. Jahrhundert unterwegs. Kürzen&Sparen, die unheilige Allianz unserer Zeit. Währen das BIP jedes Jahr um etliche Prozente steigt und die Börsen fette Gewinne einstreifen, haben wir kein Geld um die allernotwendigsten Basisdinge (Gesundheit, Pensionen/ Renten usw.) zu finanzieren. Das ist schon seltsam. Also her mit dem Geld. Und zwar für alle. Ich glaube, bis jetzt sind wir uns alle einig.

Ja wenns auch in weiterer Folge so einfach wär‘, wie bis hierher. Aber leider ist das Leben komplizierter. Daher auch meine Bedenken beim Bedingungslosen Grundeinkommen.

Warum das Bedingungslose Grundeinkommen meiner Meinung nach nicht funktionieren kann – eigentlich logisch (?)

Laut theoretischer Vorhersage soll es – wenn alle ein gewissen Basiseinkommen haben – allen besser gehen. Das ist die Kernmeinung zu diesem Thema, die alle vertreten, die für das BGE sind. Jeder kann sich eine Wohnung leisten, jeder kann gesundes Essen, Kultur usw. – alles was uns eben zu Menschen macht – relativ leicht bezahlen. Ja, wäre ja schön, denk ich mir. Traumhaft… Ja, wenns nur kein Traum ist.

Bild: Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)Wir (Europäer) leben in einer Marktwirtschaft, die viele auch als soziale Marktwirtschaft sehen. Na gut, sozial oder nicht sozial ist jetzt mal egal, wichtig ist in dem Zusammenhang was Anderes: Das Wort Marktwirtschaft. Preise werden auf Märkten gemacht. Wenn jeder durch das BGE schon mal von vorneherein was hat, (sagen wir z. B. 1000 Euro pro Monat) dann ist das ein massiver Eingriff in den Markt. Ein unheimlich massiver Eingriff.

Jetzt werden also die, die was verkaufen wollen, hellhörig werden. Aha, denken die sich. Lieschen Müller hat jetzt 1000 Euro sowieso. Na dann setzen wir doch mal den Preis rauf, denn alle Müllers dieser Welt sind ja jetzt bei Kasse… Gerade bei Gütern, die man haben muss (Wohnungen) wird ja der Preis nicht nach Angebot und Nachfrage gemacht (ja, theoretisch schon, aber die Nachfrage nach billigen Wohnungen übersteigt immer das Angebot) Der Preis für einfache, kleine Wohnungen in ungünstiger Lage wird ja in den städtischen Ballungsräumen so berechnet: Das was man aus den Menschen raussaugen kann, das wird halt rausgesaugt. Wenn jetzt also jeder 1000 Euro zur Verfügung hat, wird der Wohnungspreis für die mieseste Bude in Berlin Wedding oder Wien Brigittenau auf 800 Euro/ Monat hochklettern. Das ist so sicher wie das Amen im Gebet. In dem Fall wäre das BGE also eine schöne Umverteilung von unten nach oben, die mehr oder weniger direkte Subvention von Hausbesitzern.

Auch alle anderen absolut lebensnotwendigen Güter würden durch das Bedingungslose Grundeinkommen im Preis raufgehen. Aber vor allem aber die Mieten für Einkommensschwache.

Die anderen Fragen rund um das BGE mag ich gar nicht erst kommentieren. Mag sein, dass dann viel mehr Menschen Freizeit haben und viele die miesen Jobs, die es so gibt, dann nicht mehr annehmen werden. Aber irgendwer wird die Jobs ja trotzdem machen müssen. Bitte nicht sagen, das werden dann die Computer und die Maschinen für uns tun. Die Rettung kommt NICHT aus dem Silicon Valley. Das kann ich von vorneherein garantieren. Die Konzerne aus dem Silicon Valley wollen uns aussaugen, wollen unsere Daten, wollen alles nur Denkbare und Mögliche. aber sie wollen sicherlich nicht, dass es Irgendjemandem auch nur einen Hauch besser geht. Auch wenn Mark Zuckerberg das immer wieder behauptet. Ganz im Gegenteil: Mir wird Angst und bange, wenn ich an eine Zukunft voll mit Algos und selbstfahrenden Autos denke. Also: Irgendwer wird die Drecksarbeit weiterhin machen müssen. Die Alternative wäre dann, dass die Drecksarbeit gemeinsam von allen in der Freizeit gemacht wird. Also eine Art soziale Verpflichtung, die dann alle auch haben. Da es aber keine Sanktionsmöglichkeiten über das Einkommen mehr gibt, frage ich mich, wie das funktionieren soll.

Die Probleme, die wir mit Reichtum und Armut haben, die lassen sich meiner Meinung nach nicht mit einem Zaubertrick wie dem BGE aus der Welt schaffen. Da wird mehr notwendig sein, als jedem Menschen eine gewisse Grundsumme in die Hand zu drücken. Viel mehr. Mag sein, dass es in einer gänzlich anderen Welt mit gänzlich anderem Wirtschaftssystem auch ein BGE als Teil eines Gesamtkonzepts geben kann. Das wäre wahrscheinlich durchaus sinnvoll und in die Richtung zu denken, das unterstütze ich auch total. Aber das BGE alleine (also ohne dass gleichzeitig die gesamte Gesellschft radikal umgebaut wird) macht meiner Meinung nach gar nix. Es ist (leider) nicht mehr und nicht weniger als eine Illusion.

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10 Kommentare zu “Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)”

  • Zum 1. Einwand: Die 1000 EUR, die Lieschen Müller jetzt hat, die hatte sie vorher auch. HartzIV mit allen Zusatzleistungen liegt ja etwa im angestrebten Bereich des Grundeinkommens. Sie bekommt also nicht mehr, sie bekommt es nur ohne Vorbedingungen.
    Zur 2. Frage: Vieles wissen wir noch nicht. Es wäre Scharlatanerie, wenn jemand behauptet, die Konsequenzen eines BGE vorhersagen zu können. Mit Sicherheit würden aber die von Ihnen genannten „miesen Jobs“ finanziell aufgewertet, eben weil sie sonst keiner mehr erledigen würde. Das wäre ja auch mehr als gerecht, denn es ist humanistisch absolut nicht begründbar, warum „Drecksarbeit“ auch noch schlecht bezahlt wird.
    Dass ein Umbau der Gesellschaft erforderlich ist, da stimme ich Ihnen zu. Gerade dafür wäre das BGE eine gute Ausgangsposition, denn nur wenn der Mensch frei von Existenzängsten ist, kann er sich größeren Visionen hingeben.

  • Hallo Raphael, wie versprochen hier ein erster Kommentar: Tolle schlichte Eleganz die deine Seite hier verströmt. Wir sollten unsere Gedanken austauschen, vielleicht zuerst per Telefon 0699 10378515 ist Helmo Pape

  • Das Thema bedingungsloses Grundeinkommen ist so populär geworden, dass die Hauptfrage zu sein scheint: Ist das bedingungslose Grundeinkommen finanzierbar? Dass es auch noch andere Fragen bezüglich eines Grundeinkommens gibt, beweißt das gerade erschienene Buch von Johannes Mosmann: „Das bedingungslose Grundeinkommen – Pathologie und Wirkung einer sozialen Bewegung“.
    Die Frage: wird die berechtigte Empörung gegen die Verhältnisse nicht gerade für die Interessen der Herrschenden genutzt, ist nicht neu, wurde von vielen Linken schon gestellt. Wie aber die Arbeit aus den Zwangsverhältnissen praktisch befreit werden kann, scheint mir neu. So hoffe ich, dass dieses Buch von Johannes Mosmann die doch sehr eingeengte Diskussion erweitern wird zu den grundlegenden Fragen, die heute durch die Maschinenwelt und die Digitalisierung drängend geworden sind.
    Erstaunlich, aber plausibel, kommt da die Forderung der demokratischen Begrenzung der Arbeitszeit in den Ring. Wenn etwa fünf Stunden tägliche Arbeit ohne die Möglichkeit von Überstunden rechtlich den Rahmen bilden, so wie die Natur der Wirtschaft auch ihre Grenzen setzt, dann kann jeder seinen Anteil leisten und dennoch kreativ sein. Das scheint mir sozialer als ein vom Staat verteiltes Warenbezugsrecht auf unterstem Niveau.

    1. Hallo Werner, die Idee mit der Limitierung der Arbeitszeit ist tatsächlich extrem gut. Das Problem ist ja, dass es (vereinfacht gesagt) X Menge an Arbeit gibt und Y Menge an Arbeitern. Wenn man das in Relation setzt, kann die Arbeit nie zu knapp werden. Im „schlimmsten Fall“ – wenn Maschinen fast alles tun – arbeiten wir halt nur 2 Stunden am Tag. Wie das umgesetzt wird, sollen sich dann die Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden ausmachen. Die verhandeln ja auch sonst über alles Mögliche.

      Du schneidest mit deiner Antwort übrigens ein interessantes Nebenthema an: Auch in Phasen der hohen Arbeitslosigkeit hat die Mehrzahl der Menschen die Arbeit haben zu viel zu tun. In den Chefetagen wird quasi vorausgesetzt, dass man rund um die Uhr erreichbar ist und nie krank ist. (ja, ist jetzt provokant formuliert, ich weiss! ;) ) Man will quasi möglichst viel aus jeder „Arbeitskraft“ rausquetschen, wenn man sie schon bezahlen muss. Was ja nur meinen Gedanken bestärkt, dass die meisten sozialen Probleme systemisch bedingt sind und ein bedingungsloses Grundeinkommen nichts daran ändert, dass der Mensch im Kapitalismus raffgierig ist. Meine Lösung: Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft, die wir ja bis in die 80er hinein hatten und Ausstieg aus den spekulativen Börsengeschäften ohne Bezug zur Realwirtschaft. Kurz gesagt: BODENHAFTUNG, Arbeit und Geld relativ gleichmäßig verteilen. Nicht 100% gleich, das muss nicht sein, aber nicht in einem Verhältnis von 1:100.000 wie das heute eher der Fall ist. Natürlich muss das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft den modernen Umständen angepasst werden. Z. B. mit Vorschlägen wie deinem.

      Dieses Rezept ist vielleicht zu simpel als dass es sich leicht über Facebook & Co. verbreitet, hat auch keim Potential für einen ausgewachsenen Shitstorm. Echt langweilig also. Aber es könnte sehr gut funktionieren.

  • Hallo Raphael,

    deine Meinung das es so sicher wie das Amen im Gebet sei – das dann die Mieten nach oben gehen, wäre nur dann der Fall, wenn man das BGE isoliert einführt – ohne die Komplexität eines Bedingungslosen Grundeinkommen zu berücksichtigen.
    Insofern hättest du sogar recht.
    Ich bin mir aber ziemlich sicher – das bei Einführung zeitgleich auch eine Miethöchstgrenze beschlossen wird, das eine Erhöhung komplett ausschliessen wird.
    Denn nur so würde ein BGE auch Sinn machen.
    Das andere lebensnotwendigen Güter ebenfalls nach oben gingen, denke ich nicht, zumal dann niemand mehr dazu gezwungen ist alleine auf den Profit zu achten – könnte es so auch zu fallenden Preisen kommen.
    Insgesamt denke ich das es sich die Waage halten wird.

    Was die Drecksarbeit betrifft, so gibt es nur 3 Möglichkeiten wie die weiterhin gemacht wird.
    1. selber machen
    2. besser bezahlen
    oder
    3. automatisieren

    Dein letzter Absatz sagt bereits alles.
    Klar muss es bei Einführung eines vor allem humanen BGE zu einer umfassenden Polit-, Verwaltungs- und Steuerreform kommen müssen.
    In der zweiten Phase sogar zu einer Geldsystem-Reform.
    Und dann sollte es aus meiner Sichtweise weder das Geld an sich, noch die Inflation ein Problem darstellen.

    1. Hallo Alexander,
      gar nix ist sicher wie das Amen im Gebet. ;) Ich kann mich ja schließlich auch irren. ;) Dass die Mieten steigen ist meine Vermutung…

      @humanes BGE: du ganz ehrlich. Falls das BGE jemals kommt, dann wird es eine Art Stilllegungsprämie werden, damit die Leute den Schrott der ihnen angeboten wird auch weiterhin kaufen können. Enschuldige wenn ich da so pessimistisch bin. Aber wenn Leute aus der Führungsebene des Silicon Valleys oder deutsche Spitzenmanager für das BGE sind, dann kann das auf nichts Anderes hindeuten. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Leute plötzlich die Welt verbessern wollen. Nö, die machen sich halt Sorgen, dass niemand mehr ihr Zeug kauft, wenn plötzlich 99% der Arbeit Maschinen machen. Maschinen haben halt den Vorteil, dass sie billig sind, aber auch den Nachteil, dass sie kaum was einkaufen. Ergo muss man dem Proletariat ein wenig unter die Arme greifen…

      BGE + umfassende Reformen klingt gut. Aber mir würde es bereits genügen, wenn die Top 10% (Sowohl Firmen als auch Einzelpersonen) ihre Steuern zahlen würden. Aber nicht mal das ist realisierbar. Also wieso soll dann plötzlich ein BGE + umfassende Reformen möglich sein?

      1. Hallo Raphael,

        ja, das mit der Stilllegungsprämie habe ich auch schon oft gehört… ;-) Hört sich irgendwie lustig an, weil der Mensch an sich ja ein neugieriges Lebewesen ist – das kann man nicht einfach so stilllegen.
        Klar das Silicon Valley und so mancher Industrielle ist auch für ein BGE – aber die sind alle für ein neoliberales Modell – möglichst niedrig und oft auch nicht mal bedingungslos.
        Ich sprach aber von einen humanen BGE wie das von der österreichischen BGE Partei: https://partei-bge.eu

        Und dann wird sich so einiges ändern auch im Konsumverhalten der Menschen – vor allem wenn der Stress, Existenzängste und Sorgen plötzlich wegfallen.

        Damit BGE + umfassende Reformen auch möglich werden – müssen diese von Anfang an gefordert werden. Man muss von Anfang an klarstellen das dies und das gemacht werden muss um ein humanes BGE zu ermöglichen, dies versuchen wir bei der oben genannten BGE Partei von Anfang an auch so rüber zu bringen und ein dementsprechendes Gesamtkonzept zu präsentieren. Nur so werden diese Reformen die auch absolut notwendig sind auch kommen – damit begeben wir uns auf ein komplettes Neuland – Ja.
        Denke das wir sehr viel Zuspruch von der Bevölkerung bekommen werden – nachdem wir unser Modell der Öffentlichkeit präsentieren.

        1. Na ja. Den Mensch kann man schon irgendwie stillegen. ;) Ausreichend Privatfernsehen, Mac Donalds und Social Media vorausgesetzt, kann das leider recht flott gehen. ;) Aber ich verstehe was du meinst.

          Ansonsten noch zum BGE: Ja genau: das „neoliberale BGE“. Also wenn es nicht mal möglich ist, die Topverdiener zum Zahlen ihrer Steuer zu bewegen, dann sehe ich schwarz dafür, dass ein „Nicht neoliberales BGE“ durchsetzbar ist. Wie gesagt, das ist nur meine Meinung, das ist ja nicht so, dass ich das entscheide. Aber ich bin halt recht pessimistisch, wenn mir jemand sagt, dass man das alles ändern könnte und würde mich schon mit kleinen Dingen zufrieden geben.

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