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Das unentdeckte Land

Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,
Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.

Wilhelm Shakespeare, Hamlet, 3. Akt, 1. Szene

Ich beziehe mich im Folgenden auf den Artikel „Keine Panik Greta“ von Ralf Fücks im Spiegel. spiegel.de/politik/deutschland/fridays-for-future-der-klimawandel-und-die-neue-apo-a-1260302.html Fücks meint, dass es angesichts der Klimathematik auch Lösungen geben könnte, denn der menschliche Erfindergeist ist nun mal in der Lage Herausforderungen auch zu meistern. Er schlägt gesellschaftliche Änderungen vor und rät von individuellem Verzicht bzw. Selbstgeisselung ab.

Ralf Fücks hat den Berliner Thinktank „Zentrum Liberale Moderne“ gegründet, war Bundesvorsitzender der Grünen, Senator in Bremen und Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

Der Artikel ist insoferne interessant, als dass er aus der Masse der „Panikartikel“ zum Thema Klima heraussticht. Kurz gesagt meint Ralf Fücks, dass es wenig Sinn macht, wenn Einzelne sich kasteien, verzichten und sich moralisch den Anderen überlegen fühlen, während die große Menge an Menschen weiter macht. Sätze wie diesen hier findet man in dem aufgeladenen Diskussionsklima von 2019 schicht und einfach selten. „Dennoch ist es grundverkehrt, die ökologische Frage zu privatisieren, statt sie zu politisieren. Die Lebensführung eines jeden Einzelnen ist von Strukturen abhängig, die wir nur gemeinschaftlich verändern können.“ Und auch dieser Satz ist interessant: „Man möchte Greta Thunberg zurufen: keine Panik! Panik beflügelt nicht, sie befördert Kopflosigkeit und rücksichtsloses Verhalten.“ Es wäre schön wenn mehr Menschen so denken würden.

Aber trotz alles Sympathien für die Grundtendenz des Artikels bin ich aber skeptisch, ob das so funktionieren kann, wie sich Ralf Fücks das vorstellt: „…Woran es fehlt, ist die Zuversicht, dass die ökologische Transformation der Industriegesellschaft zu einer Erfolgsgeschichte werden kann. …“ Ja klar. Daran fehlt es. Es fehlt aber in meinen Augen auch an jeglichem Plan wie diese ökologische Transformation denn aussehen könnte. denn: Hand aufs Herz: Der ökologische Umbau wird nicht funktionieren, ohne bestehende Strukturen großflächig umzubauen. Alle Lösungsansätze, die ich kenne, laufen aber im Grunde auf technische Änderungen hinaus. Was ist aber, wenn die ökologische Krise nicht eine technische Krise ist, sondern eine innere Krise, die sich im Aussen lediglich abbildet?

Vielleicht ist die Krise die wir erleben etwas ganz Anderes? Vielleicht hat sie ganz andere Grundlagen? Warum benötigen wir dauerndes Wachstum? Warum bespassen wir uns ohne Ende anstatt den Dingen auf den Grund zu sehen? Wieso glauben wir, dass wir im Konsum von immer neuem Dingen Lösungen von alten Problemen erwarten können?

Bereits in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts beschrieb Neil Postman in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ das Fernsehen als den Tod der Demokratie. Immer mehr Informationen würden seiner Meinung nach immer schneller auf uns einprasseln und was dann hängen bliebe, wären nur noch die Bilder der Ereignisse und deren oberflächliche Inszinierung. Was würde Neil Postman sagen, hätte er Facebook kennengelernt?

Wer vor dreissig oder vierzig Jahren in den Urlaub gefahren ist, hat vielleicht einen Film mitgenommen um die Urlaubsmomente festzuhalten. Das waren dann 12, 24 oder 36 Bilder in einem Monat. Heute macht jeder im Urlaub mit seinem Smartphone 50, 100 oder 200 Fotos täglich. Der Ressourcenverbrauch der Smartphonefotos ist (pro einzelnem Bild) wahrscheinlich geringer als der der analogen Fotos. Aber wir machen inzwischen so viele Fotos, dass wir keine Zeit mehr haben uns die Fotos überhaupt anzusehen. Wir amüsieren uns nicht nur zu Tode. Wir fotografieren uns zu Tode, wir musikberieseln uns zu Tode. Oft sehe ich Menschen in Cafés, die sich gegenseitig ihre Smartphones vors Gesicht halten und dann ein Bild nach dem anderen „wegwischen“. Wie viel kann man von so einem Bild gesehen haben? Hier drängt sich ein Satz des österreichische Kabarretisten Hemuth Qualtinger auf: „Ich weiß nicht wo ich hinfahre, aber dafür bin ich schneller dort.“

Wie baut man also eine Gesellschaft um, die sich lieber dauerbespasst als sich ernsthaften Dingen zuzuwenden? Gute Frage. Ich kann sie nur leider nicht beantworten. Ich fürchte nur, wir werden das gewünschte Ziel nicht erreichen, wenn wir so weitermachen wie bis jetzt, aber halt alles ein bisschen grün anstreichen. Es wird wohl notwendig sein viele der derzeit gängigen Parameter aufzugeben: Ewiges Wachstum sowieso. Aber auch die Idee vom Schlaraffenland für alle zum Beispiel. Vielleicht sollten wir erst mal erwachsen werden. vielleicht würde das die ökologische Krise besser lösen als jeder technische Ansatz.

Sind wir mal erwachsen geworden, stellen wir dann vielleicht ganz erstaunt fest, dass es mehr gibt als dauern neues Zeug zu kaufen um mit Hilfe der Neuanschaffungen besser von sich weglaufen zu können. Denn dass der Kapitalismus eigentlich davon lebt, dass das „eigentliche Leben“ in eine nicht näher definierte Zukunft verlegt wird, sagen ja nicht nur seine Kritiker. Wir stellen dann vielleicht auch fest, dass es nicht nur ein „Schönes Neues Aussen“ gibt mit wunderbaren Bespassungsmaschinen, sondern auch ein Innen, das wir entdecken können. Ein – zumindest für die meisten Menschen – gänzlich unentdecktes Land.

Aber Vorsicht! Der Blick in das unbekannte, innere Land ist gefährlich. Kein Wunder, dass so also wenige ihn riskieren. Denn es ist anstrengender sich selbst kennen zu lernen, als ein neues iPhone zu kaufen. Und deshalb ist Innenschau auch etwas für Spinnies. Also dann vielleicht doch lieber eine technische Lösung.

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