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Kirche und Ökologie – ein naiver Vorschlag?

Die Kirchen haben (theoretisch) ein extrem hohes Veränderungspotential in der Wirtschaft und könnten für einen ökologischen Umbau der Gesellschaft wesentlich aktiver sein, als sie es sind. Mit ihrem – nicht gerade unbeträchtlichen Vermögen – könnten Sie einen Teil der ökologischen Wende stemmen. Leider nutzen sie ihr enormes Vermögen viel weniger als dies möglich wäre, Kirche und Ökologie ist – trotz der Enzyclica Laudato si‘ eher ein Nebenthema. Der folgende Artikel beschäftigt sich daher mit dem Thema Kirche und Ökologie bzw. wie die Kirche(n) eine aktive Rolle im Kampf für eine bessere Umwelt einnehmen könnten. Er mag auf den ersten Blick naiv erscheinen. Aber andererseits: Warum eigentlich nicht?

Kirche(n) und die Umwelt: Die Theorie

Spätestens seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus hat sich die katholische Kirche in vielen Fragen sehr klar positioniert: Zum Beispiel für Umweltschutz und für soziale Veränderungen. Allerdings hat der Papst dieses Thema weder erfunden, noch als erster innerhalb der Kirchen benannt.

Im Grunde gibt es in allen christlichen Konfessionen sehr klare Aussagen zum Schutz der Umwelt, eine Auflistung von entsprechenden Quellen erübrigt sich somit. Was ich damit sagen will: In der Theorie ist sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche „biokompatibel“. Zudem gibt es in vielen Ländern der „Dritten Welt“ ausgesprochen spannende Umwelt- und Sozialprojekte. Eigentlich – und das muss man an dieser Stelle schon betonen – wären viele Öko- und Sozialthemen ohne den Kirchen nicht mal denkbar. Trotzdem ist mir neulich bei einer Diskussion über das Bankwesen etwas unangenehm aufgestoßen: Die Vatikanbank nämlich. Das gab mir dann den Gedanken für diesen Blogbeitrag.

Geld und Kirche: z. B. die Vatikanbank

OK. die Vatikanbank. Oder offiziell „Istituto per le Opere di Religione“. Am 27. Juni 1942 konstituierte Papst Pius XII. per Chirograph (Acta Ap.Sedis n. 217, 1942) das “Istituto per le Opere di Religione” (IOR) mit eigenem Rechtsstatus, die Bank existierte aber innerhalb des Vatikans bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Aufgabe ist es die kirchlichen Gelder zu verwalten. Grundsätzlich ist das ja mal nichts Schlechtes.

Spannend wird es, wenn man sich die Geschichte der Vatikanbank ansieht. Den leider wird diese Bank mit einer Unzahl von Skandalen in Verbindung gebracht, man spricht von Geldwäsche, Mafiakontakten, mysteriösen Todesfällen usw. Wer mehr wissen möchte, soll einfach die entsprechende Lieblingssuchmaschine nutzen, hier ein Artikel des Handelsblattes, in dem auf die Geschichte der Bank eingegangen wird und die aktuellen Änderungen durch Papst Franziskus zusammengefasst sind.

Sieht man sich die Geschichte der Bank an, muss man kein großer Theologe sein um zu erkennen, dass die Vatikanbank in der Vergangenheit sämtliche christliche Grundsätze nur allzu leicht über Bord geworfen hat, sie schien mehr ein Fall für die Gerichte zu sein als ein kirchliches Institut. ;) Die Änderungen waren also überfällig, der Papst überlegte sogar eine Schließung.

Die reformierte Vatikanbank ist jetzt also eine ziemlich „normale“ Bank und hoffentlich nicht mehr mit der Mafia in Kontakt. Das ist ja schon mal positiv. Wenn ich aber eine „normale“ Bank mit „meiner“ Bank vergleiche, dann sehe ich für die Vatikanbank noch ziemlich viel Luft nach oben. „Meine“ Bank ist die GLS (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken), die aus der „Ökobank“ hervorgegangen ist. Die GLS hat ein paar Prinzipien, die der Vatikanbank eigentlich auch recht gut zu Gesicht stehen würden und die – zu 100% christlich sind. Kurz zusammengefasst investiert die GLS prinzipiell nie in Gentechnik, Waffen, Atom/Kohle/Öl und veröffentlicht alle ihre Aktivitäten. Sie finanziert zum Großteil „grüne“ Unternehmen.

Kirche und Ökologie: Geht es vielleicht auch anders?

Ich frage mich jetzt, warum die Vatikanbank das nicht auch so macht. Damit stünde das gesamte umweltpolitische und soziale Engagement der katholischen Kirche nicht nur am Papier, sondern würde auch in der Realität wirksam. Die Umweltproblematik ist ja nicht „einfach so“ entstanden, sondern die Finanzierung von Umweltkillern durch Banken, ist ja ein Teil der ökologischen Misere, vor der wir heute stehen.

Ich will dieses spannende Thema „Kirchen und Ökologie“ aber gleich weiterspinnen. In meinem (vorerst Mal utopisch-naiven) Blogbeitrag machen die Kirchen nämlich noch viel mehr. ;)

Warum sollten eigentlich die Kirchen nicht das viele Geld, das sie nun mal haben, in den Dienst des ökologischen Wandels stellen? Im Grunde spricht nichts dagegen. Auch wenn man als kritischer Mensch zugeben muss, dass sowohl die katholische, als auch die evangelische Kirche in der Vergangenheit politisch häufig nicht das getan haben, was sie eigentlich tun müssten (ich drücke das vorsichtshalber mal eher sehr „vornehm“ aus. :) ) hat sich dies doch geändert. Grob gesagt: Für einem Religionskrieg* kriegt man heute die Unterstützung keiner Kirche. Sehr gut.

Utopie oder doch eine Möglichkeit? Die Kirchen und die Realwirtschaft

Gut. halten wir also fest: Sowohl die evangelischen Kirchen als auch die katholische Kirche sind am Papier grün. Zudem haben sie wirklich viel Geld. Hier gibt es einen Überblick über die Vermögenswerte der evangelischen Kirche Deutschlands, in diesem Artikel findet sich eine Auflistung des Vermögens der katholischen Kirche in Österreich. Wahrscheinlich wird das in anderen Ländern nicht viel anders sein. Es geht mir auch nicht darum diesen Besitz zu kritisieren oder von den Kirchen Armut einzufordern. Die Frage ist: Warum wird dieses viele Geld nicht wirklich „Bio“ eingesetzt? Nö, die Kirchen sollen sich nicht Windräder auf die Dächer stellen oder einen Biomarkt in Hintertupfingen abhalten. Sie sollten schlicht und einfach „nur“ in der Praxis das tun, was sie am Papier ja bereits tun. Alles, aber auch wirklich alles auf Bio umstellen. Mit einer „grünen“ Vatikanbank, biologischer Bewirtschaftung der eigenen Flächen, Ausschließlicher Nutzung von Recyclingprodukten usw. usw. Diese Neuorientierung wäre nicht wirklich schwer und würde eine enorme Hebelwirkung entfalten. Na ja. „Nicht wirklich schwer“ schreibt sich für einen Blogger oder Webdesigner leicht. Natürlich geht so ein Umbau nicht nebenbei über die Bühne. Aber möglich wäre er, die Hebelwirkung wäre – wie erwähnt – gewaltig und dem Image der Kirchen wäre es wohl auch nicht abträglich. Der Umwelt übrigens auch nicht.

* @Religionskriege heute: Die unerfreuliche Rolle der katholischen Kirche beim „Zerfall“ Jugoslawiens lasse ich jetzt erst Mal weg. Dass hier der Vatikan eindeutig auf der Seite der Teilrepubliken Kroatien und Slowenien stand und der Empfang Franjo Tuđmans durch den Papst als Brandbeschleuniger gewirkt hat, ist eine sehr traurige Tatsache.

** Das Bild oben zeigt den niederländischen Pfarrer Joop Kopmans beim Gottesdienst in einer brasilianischen Dorfkirche. Es ist Bestandteil der Ausstellung „Landnahme“ über Regenwaldrodungen und Eukalyptusmonokulturen in Brasilien. Hintergrundinfos dazu gibt es z. B. hier

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