CO2 Reduktion / Icon / Ökologischer FussabdruckWir reduzieren CO2
Rechtsfraagen IconAbmahnung? Nicht mit uns!
Newsletter IconAnmeldung zum Newsletter
Nach oben scrollen

Ökobilanz negativ – Die dunkle Seite der Smartphones

Ein Leben ohne Smartphone? Unvorstellbar für die Meisten. Die nützlichen Geräte werden zum Telefonieren, Surfen, Musik hören und Kommunizieren in Sozialen Netzwerken von nahezu allen Menschen genutzt. Aufgrund regelmäßiger technischer Neuerungen und entsprechendem Marketing kaufen viele Konsumenten regelmäßig neue Modelle, alleine in Deutschland haben 63% aller Smartphonenutzer im vergangenen Jahr ein neues Gerät gekauft. Das alte Smartphone kommt dann häufig auf den Müll oder – wenn es gut geht – zum Recycling. Doch obwohl Smartphones aus dem modernen Leben kaum wegzudenken sind, ist die Ökobilanz der praktischen Geräte verheerend. Leider scheint das aber den meisten Menschen ziemlich gleichgültig zu sein.

Wieso um alles in der Welt kaufen wir Geräte, die nachweislich (!) unsere gesamten Lebensgewohnheiten quasi ungefiltert an die Werbeindustrie und/oder Geheimdienste weiterleiten, machen uns in fast allen alltäglichen Bereichen von ihnen komplett abhängig und erzeugen damit eine Umweltproblematik, die ihresgleichen sucht?

Problem 1: Die Bestandteile der Geräte:

In einem durchschnittlichen Smartphone werden um die 70 verschiedene chemischen Elemente verbaut, viele der in den Smartphones genutzten Substanzen stammen aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Ihre Herstellung ist in den allermeisten Fällen energieaufwändig und verursacht in den betroffenen Regionen starke ökologische Probleme. Vor allem der Abbau von Seltene Erden – eine Gruppe von Metallen, ohne denen in den Smartphones gar nichts geht – ist äußerst problematisch: Sie müssen zunächst aus den Erzen, in denen sie sich als Beimengung befinden, durch aufwendige Trennverfahren separiert werden. Die Erze, in denen die Seltenen Erden vorkommen, werden dabei meist durch Behandlung mit Laugen oder Säuren aufgeschlossen oder danach einer Hochtemperaturchlorierung unterworfen. Dabei entsteht eine ziemlich giftige Brühe, aus der in einem komplexen Verfahren dann die Seltenen Erden abgetrennt werden.

Das Resultat dieses aufwändigen Herstellungsverfahrens ist zumeist eine verwüstete Umwelt. Durch den oben beschriebenen Abbau entsteht extrem giftiger Schlamm, der – da die Standards in der “Dritten Welt” niedrig sind und die Konkurrenz groß ist – in den seltensten Fällen aufbereitet wird. Der größte Schlammsee dieser Art befindet sich in der inneren Mongolei (China) und soll derzeit eine Fläche von ca. 10km2 haben.

Zusätzlich problematisch ist die soziale Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter. Oft werden Abbau und Transport von kriminellen Banden durchgeführt, dies spielt vor allem in Afrika und und hier wiederum sehr stark in der Demokratische Republik Kongo eine wichtige Rolle. Die kriminellen Banden finanzieren mit dem Gewinn aus dem Abbau der Seltenen Erden häufig Waffen zur Sicherung ihrer Macht, Zwangs- und Kinderprostitution sind im unmittelbaren Umfeld der Minen häufig. Eine unschöne Mischung. Wer mehr über die Problematik der Seltenen Erden erfahren will, erhält hier z. B. noch weitere, leider aber unerfreuliche, Informationen.

Da die einzelnen Bestandteile der Geräte aus vielen Bereichen der Welt an die Produktionsorte gebracht werden müssen, fallen überdies hohe CO2-Emissionen beim Transport an. [netzpolitik.org]Am Beispiel des Samsung Galaxy S6 zeigt sich nach Angaben aus dem Nachhaltigkeitsbericht des Herstellers, dass Herstellung und Transport über 80 Prozent des Energieverbrauchs und damit der Emissionslast des Geräts ausmachen.

Problem 2: Mangelndes Interesse an Reparaturen:

Tri-point-Y0-Screwdriver Schraubenzieher u. A. für Apple GeräteWeder die Hersteller noch die Verbraucher interessieren sich sehr intensiv für Reparaturen der Geräte. Die Produktionszyklen werden immer schneller, die neuen Geräte können ohnehin viel mehr als die alten, die Kosten einer Arbeitsstunde in Europa oder den USA sind hoch. Dazu kommt, dass viele Hersteller das Innenleben der Geräte schwer zugänglich machen. Bauteile werden verklebt oder mit ungewöhnlichen Schrauben, die von normalen Schraubenziehern nicht genutzt werden können, fixiert.

Verrückte Schrauben mit drei Schlitzen (Wie das Symbol am Bild oben) werden z. B. von Apple verbaut, wer also ein Apple Gerät reparieren will, muss sich eventuell solches Spezialwerkzeig kaufen. IFixit bietet das z. B. an.

Problem 3: Mangelndes Recycling

Und am Ende der (relativ kurzen) Lebensdauer eines Smartphones steht meist die Mülldeponie. Wie eingangs erwähnt: Alleine im vergangenen Jahr haben 63% der Deutschen ein neues Smartphone gekauft, für andere europäische Länder oder die USA dürften die Zahlen wohl ähnlich sein. Die Anzahl der nicht mehr genutzten Geräte ist somit ausgesprochen hoch und lediglich ein kleiner Teil der Geräte wird fachgerecht recycelt. Rund zwei Drittel der Elektro-Altgeräte in der EU verschwinden in dubiosen, teils illegalen Kanälen. [Quelle: https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/faszination-wissen/elektroschrott-recycling-rohstoffe-100.html] Die Geräte werden dann oft in Afrika oder Asien unter menschenunwürdigsten Bedingungen manuell zerlegt, wobei die Arbeiter (oftmals Kinder) extrem ungesunden Dämpfen ausgesetzt sind. (Mehr Info: CWIT-Studie – Countering WEEE Illegal Trade)

Theoretisch wären die Geräte zwar wahre Schatzkästchen, da die teuren und hochwertigen Materialien, die darin verbaut wurden, ja relativ leicht zu gewinnen wären, würden sie nur dem Recycling zugeführt werden. Aber tun muss mans halt. Also das Gerät an der richtigen Stelle abgeben und nicht einfach in den Müll werfen. Aber selbst wenn alle alten Geräte korrekt wieder verwertet würden, würde man nicht 100% der eingesetzten Materialien wieder gewinnen.

Fazit:

Die schöne neue Handywelt ist vielleicht für uns in Europa schön, anderswo auf diesem Planeten siehst schon wieder ganz anders aus. Leider. Und Rezept dagegen habe ich leider keines. OK, man kann gar kein Smartphone verwenden (das mache ich) und statt Google lieber andere Leute nach dem nächsten Restaurant fragen. Dann kommt man zu interessanten Ergebnissen, man spricht nämlich wieder mit realen Personen statt in den Bildschirm zu glotzen. ;) Das könnte zwar für viele eine ungewöhnliche Erfahrung sein, aber leider ist es nur eine Lösung für echte Freaks.

L-E-I-D-E-R.

Denn insgesamt geht der Trend einfach dazu, dass das Smartphone immer unverzichtbarer wird und immer mehr Tätigkeiten werden an die Geräte ausgelagert.

Wer meint, dass er ohne Smartphone nicht mehr leben kann (immerhin 71% Süchtige im Jahr 2018!) kann wenigstens ein Fairphone kaufen. Und wer auch das nicht will, der kann sein Gerät wenigstens lange nutzen, reparieren und am Ende des Lebenszyklus dann an der richtigen Stelle abgeben.

Leider ist selbst der letzte Vorschlag, der ja wirklich nicht sooo schwer zu sein scheint, utopischer als viele meinen. Aber unabhängig davon bleibt für mich unterm Strich bei der gesamten Smartphonethematik ohnehin ein sehr bitterer Nachgeschmack und extrem vieles ist nach wie vor ungeklärt: Kurz zusammen gefasst kann man das, was mich nervös macht, vielleicht so umschreiben: Wieso um alles in der Welt kaufen wir Geräte, die nachweislich (!) unsere gesamten Lebensgewohnheiten quasi ungefiltert an die Werbeindustrie und/oder Geheimdienste weiterleiten, machen uns in fast allen alltäglichen Bereichen von ihnen komplett abhängig und erzeugen damit eine Umweltproblematik, die ihresgleichen sucht?

Sorry, ich kann da nicht mit. Ich versuche Smartphones so gut es geht zu meiden, lebe trotzdem ganz gut und zum Arbeiten (ich bin ja schließlich Webdesigner) muss ich ohnehin Simulatoren verwenden, denn ich kann eine neue Webseite nicht auf 1000 verschiedenen Geräten und Betriebssystemen testen. Ohne Simulator geht also ohnehin gar nichts und wenn ich möglichst auf ein Smartphone verzichte, erlebe ich wie gesagt ganz seltsame Sachen: Zum Beispüiel Kontakte mit echten Menschen. ;)

Und jetzt?

OK, wir wissen jetzt also, dass Smartphones ökomäßig sehr pfui sind ;) und Umweltschäden ohne Ende verursachen. Trotzdem ist das Smartphone aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken, da kann man sich als Smartphonekritiker noch so sehr darüber aufregen, sie sind wohl gekommen um zu bleiben. Wie gehen wir also damit um? Ökosmartphones wie das Fairphone? Weniger Smartphones, mehr Reparatur, seltene Nutzung, mehr Recycling? Die Produktion von Seltenen Erden ökologischer und sozialer gestalten? Ich ersuche um Ideen bzw. Kommentare!

Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.