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Webdesign für Kirchen, Pfarren und Klöster

In der Vergangenheit war es über nahezu 1.500 Jahre das Christentum, das die europäische Bildwelt, die europäische Kunst und die europäische Kultur im Allgemeinen in entscheidendem Ausmaß prägte. Im Internet ist bis heute noch relativ wenig davon angekommen. Dabei würde sich die christliche Bilderwelt ja hervorragend eigenen, um ansprechende Webseiten zu gestalten. Bei einem Rundgang durchs Web zum Thema „Webdesign für Kirchen und Pfarren“, den ich in den letzten Tagen gemacht habe, fand ich aber leider sehr viel uninspiriertes Design. Sehr schade! Der folgende Artikel spiegelt daher meine Frustration über diese einmalige, aber leider vergebene Chance wieder.

Häufig uninspiriertes, altbackenes Design manchmal sogar noch mit dem diskreten Charme des frühen Internets vor 1990. Das ist es, was Webdesign für Kirchen, Pfarren oder auch Klöster leider ausmacht. Leider sind sehr viele christlichen Webseiten in diesem Stil. Egal ob Pfarren, Kirchengemeinden, Klöster oder Dome. Fertige Designlösungen „von der Stange“, typographische Problemzonen, nette, aber eben auch nur nette Bilder, unklare Navigationen usw. usw. Bei meinem Rundgang sind mir leider kaum Seiten aufgefallen, die mich extrem angezogen haben, und die ich daher in meinem Blog gerne vorstellen wollte.

Webdesign für Kirchen, Pfarren und Klöster - Hier ein abschreckendes Beispiel
Homepage einer Pfarre: Hier ein besonders abschreckendes Beispiel

Wie schade! Die Christliche Symbolik wäre ja grundsätzlich absolut geeignet, um Pfarren oder Kirchen im Web hervorragend zu präsentieren. Mit ihrer Einfachheit und Klarheit sind z. B. urchristliche Elemente wie das Kreuz, der Fisch, Alpha & Omega etc. etc. ja fast schon Selbstläufer für eine ansprechende Gestaltung. Leider eine Chance, die die meisten Institutionen – egal ob Kirchengemeinden, Pfarren oder Klöster ungeprüft vergeben. Die christliche Bilderwelt, die die Europäische Kultur über einen extrem langen Zeitraum geprägt hat. Wo sind sie, die modernen Interpretationen der christlichen Botschaft im Web? Ich kann sie kaum wo entdecken. ;) Brav, bieder und langweilig, das ist das, was man größtenteils sieht.

Als Designer möchte ich mich grundsätzlich nicht zu religiösen Fragen auf meiner Webseite äußern, das ist nicht meine Aufgabe. Aber ich frage mich trotzdem, ob die Webseiten, die die einzelnen kirchlichen Gemeinden, Pfarren, Kirchen oder Klöster repräsentieren sollen, ein Abbild der inneren Dynamik der Kirche sein können? Falls das so wäre, wäre das aus der Sicht der Kirche schlimmer als die schärfste Religionskritik. Kritik geht wenigstens auf den kritisierten Gegenstand ein und achtet ihn somit als Gegner. Innere Leere und gestalterische Verweigerung sind viel schlimmer, denn sie gehen an die grundsätzliche Substanz.

Wie hätte Leonardo da Vinci die Webseite des Vatikans gestaltet, würde er heute leben? So brav und bieder, wie die heutige Webseite des Vatikans nun mal ist? Oder hätte er etwas mehr Mut zu einer modernen Gestaltung gehabt?

Pfarre Charlottenburg Nord - NavigationselementOder ein anderes Beispiel, diesmal aus dem Bereich der evangelischer Kirche: Die evangelischen Kirchengemeinden Charlottenburg Nord haben in den späten 60er Jahren den österreichischen Künstler Alfred Hrdlicka für ein Kunstwerk beauftragt: Den Plötzenseer Todestanz. Laut Kathpress als „das wichtigste Werk zeitgenössischer kirchlicher Kunst in Berlin“. Auf der Webseite der Kirchengemeinden Charlottenburg Nord findet sich das Kunstwerk nicht auf der Startseite und als wichtigstes Element. Vielmehr wird es – nahezu verschämt – rechts unten (aber ganz rechts unten!) – als Bild zu einem Navigationselement genutzt.

Webdesign für Kirchen: Bibel mit dem Ploetzenseer Todestanz am Cover
Bibel mit dem Ploetzenseer Todestanz am Cover

Für mich als Designer ist das – man entschuldige bitte diese Polemik – unentschuldbar. Würde ich diese Webseite gestalten, hätte ich das Kunstwerk zum Aufmacher meines Designs gemacht. Hrdlicka ist ja schließlich nicht irgendwer und das Kunstwerk ist ja wirklich unglaublich gut. Warum sollte es nicht als „Standalone“ auf der Startseite platziert sein? Ohne Erklärung, ohne Text. Maximal vielleicht noch mit einer Navigation, aber sicherlich nicht mit mehr.

Oder ein anderer Designansatz: Die drängenden Probleme unserer Zeit: Krieg, Flüchtlinge, Armut, Unterentwicklung… Alles (auch) Themen der Kirchen. Daran hat sich in den letzten 2.000 Jahren leider wenig geändert. Aus der Sicht eines Designers ergeben sich hier sehr interessante Lösungsansätze: Bilder zur Visualisierung der Probleme, unterlegt mit passenden Zitaten aus der Bibel. Gestalterisch wäre es nicht besonders schwierig so etwas umzusetzen. Man muss sich aber erst mal den Hut aufsetzen, die Probleme wirklich benennen, für (diesseitige) Lösungen durch die Kirche eintreten und den Willen zur Lösung dann auch beherzt kommunizieren.

Buchmalerei - Mittelalterliches Grafikdesign der Kirchen
Buchmalerei – Mittel­alter­liches Grafik­design*

Oder die Buchmalerei, die christliche, mittelalterliche Kunst schlechthin. Im Grunde ist die Buchmalerei dem, was sich heute Grafikdesign nennt, extrem ähnlich und Screendesign/ Webdesign ist die logische Weiterentwicklung der Buchmalerei im neuen Medium Internet. Auch wenn die verwendeten Techniken natürlich kaum mehr etwas gemein haben, ist der Weg von der mittelalterlichen Buchmalerei hin zum Webdesign ein relativ geradliniger. Aber auch hier sind die Kirchen nicht im allergeringsten mit interessanten Lösungsansätzen vertreten.

Nicht ein Mal für die historisch bedeutenden Bauwerke – Kirchen, Klöster, Dome etc. – , die ja für den Tourismus eine nicht unbedeutende Rolle spielen, habe ich eine optisch interessante Lösung entdeckt.

Ich meine eine WIRKLICH interessante Webseite mit beispielhaftem Design. Sehr schade. Ja, klar. Es gibt Webseiten von Pfarren oder Klöstern, die nicht schlecht sind. Aber eben nichts Hervorragendes. Oder habe ich die hervorragenden christlichen Webseiten einfach nicht gefunden? Ich wäre froh, wenn der Fehler bei mir läge und ich einfach nicht lange genug recherchiert hätte. Wie gesagt: An Bildern und Symbolen mangelt es wohl nicht um großartiges Webdesign für Kirchen und Pfarren zu machen. Am Geld wohl auch eher nicht, vermute ich. Die großen Kirchen sind ja nicht gerade die Ärmsten der Armen. Eher mangelt es wohl am Willen, sich mit moderner Gestaltung ernsthaft auseinander zu setzen. Ich kann also nur zum wiederholten Male sagen: Schade. schade, schade!

Und auch aus der Sicht der Kirchen ist es traurig, dass sie sich so weit aus dem Kulturleben zurückgezogen haben und keinerlei Willen erkennen lassen, stilbildend zu wirken. Welche Chancen man sich da vergibt…

Nachtrag mit versöhnlicheren Tönen. ;) Vielleicht habe ich mich mit meiner Kritik am christlichen Design ja geirrt. Wer also Beispiele für ansprechende Webseiten aus dem christlichen Bereich – unabhängig von der Konfession – kennt, kann doch bitte einen Link in den Kommentaren posten. Falls mehrere, wirklich tolle Seiten zusammenkommen, schreibe ich gerne einen weiteren – diesmal aber positiven – Artikel zum Thema Webdesign für Kirchen.

*Bildnachweis: Buchmalerei – Mittelalterliches Grafikdesign: Wikimedia Commons – Lizenz CC-BY-SA 3.0

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